Alpenüberquerung 05.01.2020

Bericht
Bereits seit einigen Tagen planen wir eine Alpenüberquerung auf den 5. Januar. Die Wetterbedingungen waren schon Tage lang sehr konstant. Wir treffen uns um 7:45 Uhr bei mir in Andwil. Zum Start fahren wir diesmal nach St. Gallen. Auf dem Breitfeld, dem Militär Truppenübungsplatz finden wir eine geeignete Stelle wo wir den Ballon bei perfekt blauen Himmel und windstille aufrüsten. Bald ist alles ready und unsere Reise kann beginnen. Kurt und Heidi Boppard aus Gossau werden uns erneut in Italien abholen.
Ich steige relativ konstant mit 1 bis 3m in der Sekunde. Wir liegen noch unter dem Nahkontroll-Bezirk des Flughafens Zürich, somit darf ich erst mal nur bis 2300 m steigen. In mittlerer Höhe, im Aufstieg verzeichnen wir zeitweise bis gegen 30 KMH Biese; also Nordost- Wind. Auf 2300 m dreht der Wind dann Richtung Süden allerdings erst mit nur 10 KMH. Sofort erbeten wir eine Freigabe in Zürich für in den kontrollierten Luftraum einzufahren. Weiter geht die Reise nun bis gegen 3000m. Wo wir dann endlich zügigere Windgeschwindigkeiten von rund 50 KMH erreichen. Eine einmalig gute Weitsicht können wir heute genießen. Wir sehen vom Chassral über den Feldberg bis weit zur Zugspitze. Im Mittelland liegt heute kein Nebel. So können wir sogar die Stadt Zürich von bloßem Auge sehen. Wir genießen die ausgesprochen milden Temperaturen. Auf 3000 m registrieren wir -7°. In 4500m sollen es -16° sein. Die Sonneneinstrahlung und die sehr geringe Luftfeuchtigkeit machen das Gefühl dann noch wesentlich wärmer. Wir überqueren schon bald das mittlere Toggenburg. Unsere Geschwindigkeit wird mit zunehmender Höhe stets etwas schneller nun reisen wir mit knapp 70 KMH. Das ist ein gut, allerdings darf die Geschwindigkeit nicht wesentlich langsamer werden wenn wir eine Fahrt bis zum Po machen möchten. Ich entschließe mich nicht weiter zu steigen damit unsere Fahrtrichtung auch etwas rechts bleibt. Aktuell fahren wir nämlich mit 190°. Die Wettermodelle sind heute sehr einheitlicher Meinung. Wir rechnen dass die Landung zwischen Alessandria und Asti sein wird. Die Kommunikation mit Zürich ist hervorragend. Weil wir noch die Luftstraße kreuzen werden, brauchen wir erneut eine Freigabe. Diese Freigabe erhalten wir auch umgehend und können unsere Fahrt auf rund 4100 m fortsetzen. Der Fluglotse von Zürich koordiniert unsere Weiterfahrt mit Milano. Das funktioniert erneut hervorragend. Wir überqueren die Alpen etwas östlich vom Tödi. Weiter geht die Fahrt östlich des Lukmanier-Passes, direkt über Biasca. Über Lugano haben wir dann sogar Gelegenheit zu beobachten wie die Fallschirmspringer exakt auf unserer Höhe abspringen. Das war ein wirklich geniales Erlebnis, das so nah zu beobachten. Wir erreichen unsere maximale Geschwindigkeit von 101 KMH. Nun heißt es weiter mit Milano zu koordinieren. Schon bald haben wir die Freigabe auf unseren Flight Level 130 weiter zu fahren. Ich gebe als Destinationen den gleichen kleinen Flugplatz wie vom 28. Dezember an. Dieser liegt nämlich erneut direkt auf unserem Kurs. Unsere Fahrtrichtung hat noch etwas weiter Richtung 200° gedreht. Wir genießen die fantastische Aussicht nun Richtung Walliser Alpen. Der höchste Berg in diese Richtung, aus unserem Sichtwinkel ist der Monterosa. Rechts davon liegt das Matterhorn. Weiter hinten am Horizont sehen wir natürlich auch den Montblanc, den höchsten Berg der Alpen. Wir bestaunen die extrem dicht besiedelte Region südlich der Alpen. Die Gegend ist extrem dicht bebaut; praktisch von den Seen bis runter nach Mailand. Vor uns liegt nun der Flughafen Milano-Malpensa. Von dieser Stelle aus werden wir auch koordiniert. Immer wieder starten und landen Flugzeuge im Minuten-Takt. Der Fluglotse ist uns aber extrem gut gesinnt wir melden uns alle 30 Minuten. Natürlich halten wir die Höhe ganz exakt und verändern diese kaum 30m hoch und runter. Das ist von extrem großer Wichtigkeit in solchen kontrollierten Lufträumen. Unsere Fahrtgeschwindigkeit hat stets etwas abgenommen. Aktuell fahren wir noch mit 80 KMH. Mittlerweile haben wir so richtig Hunger. Wir trinken erneut etwas vom heißen Tee. Ich esse ebenfalls ein Fleischbrot und etwas Schokolade. In der Poebene liegt heute ganz wenig Dunst- so wenig wie nur selten. So können wir auch hier eine gigantische Weitsicht genießen. Sogar Sardinien und Korsika sind heute zu sehen! In Mondovi ist heute ein Ballon- Meeting. Mondovi liegt westlich von Genua ganz in der Ecke der Poebene wo es noch flach ist bevor die Hügel Richtung Meer beginnen. Die Gegend ist optimal zum Ballonfahren. Ich war schon mehrfach dort am Ballontreffen und auch an den World Air Games 2008. Stefan Wälchli, ein Schweizer Ballonfahrer- Kollege kontaktiert mich und fragt ob wir noch bis zu ihnen fahren…. Eigentlich liegt es genau auf Kurs trotzdem entschließen wir uns bei Asti die Fahrt zu beenden. Unsere Fahrtgeschwindigkeit hat auch stets abgenommen so fahren wir nun immer noch auf gleicher Höhe mit knapp 60 KMH.
Wir starten nach Freigabe unseren Abstieg. Nach knapp 10 Minuten erreichen wir Bodennähe; dort setze ich die Fahrt noch wenige Minuten fort, bis wir eine schöne, trockene und saubere Wiese ausmachen können. Wir landen nach 4 Stunden 19 Minuten hofrätlich. Eine fantastisch schöne Alpenüberquerung geht nun zu Ende. Kurt und Heidi treffen nicht mal 1 Stunde nach unserer Landung ein. Wir verstauen den Ballon auf dem Anhänger und fahren zurück Richtung Mailand. Wir übernachten in einem Hotel und genießen den gemeinsamen Abend in einem guten Restaurant.

Wetter

Ein erneut ausgesprochen kräftiges Hoch dehnt sich vom Atlantik nach Mitteleuropa aus. Die Schweiz liegt an dessen Südrand. Die Luft trocknet sich sehr rasch ab; allerdings bleibt die Restfeuchte unweit nördlich des Bodensees liegen. In der Höhe weht ein zügiger Nordwind. Dieser hat auf 4000 m eine anständige Geschwindigkeit von 60-90 KMH. Beidseits der Alpen herrschen wolkenlos Verhältnisse und sehr klare Bedingungen. Sogar in der Poebene ist mit wenig Dunst zu rechnen.

Stefan Zeberli

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